Blues News, Ausgabe 48 Januar 2007:

CD-Kritiken

Moderner Blues
(Elektrischer Blues mit Rock-, Soul-, Funk- und/oder Jazzeinflüssen.)

The Bare Essentials
Live At The Kuba

(Eigenvertrieb, 24:27)

Diese Stimme, die da "Down The Mississippi" anstimmt, gehört weder zu Tom Waits, noch zu Jim Morrison und auch nicht zu Ian Siegal. Peter Kallen ist hier zugange - und singt, dass es einem die Nackenhaare aufstellt. Die Band tut alles dafür, die dazu passende Stimmung aufzubauen. Es riecht förmlich nach Einsamkeit, Unheil und Tod. Kallen singt, als hätte er mehr als einmal über den Rand des Abgrunds geschaut und dort unten nicht unbedingt erfreuliche Dinge gesehen. Der Bass steht wie eine tausendjährige Eiche, das Schlagzeug wird mit stoischer Ruhe bedient. Nur kein Schlag zuviel mit Sticks oder Besen, wo er nur stören würde. Und die Gitarre sägt sich slidend durchs Unterholz, überrascht mit einem harten Akkord, mit einem energischen Solo, sorgt für die Farben. Und die sind weder pink noch neon, sondern eindeutig grau und schwarz. Einmal hört man eine einsame Bluesharp aus dem Off. The Bare Essentials aus Düsseldorf haben ihr erstes Lebenszeichen von sich gegeben. In Form einer EP mit vier live in Jülich aufgenommenen Nummern. Eine stammt von Reverend Gary Davis, eine von Jerry Beach/Albert King, eine von R.L. Burnside und eine von der Band selbst. Doch das ist eigentlich egal, denn das Quartett aus Kallen, Dirk Mainz, Olaf Buttler und Jürgen Scholz macht jede Vorlage zu seinem ureigensten Song. Der Blick in Richtung Roots-Blues bei "Down The Mississippi", der Groove aus dem Bauch bei "I'll Play The Blues For You", der schwer wabernde Beat bei "Got Messed Up" - alles dient nicht nur dem Gesamt-Feeling, das dieser Kurz-CD zugrunde liegt, sondern verstärkt es von Minute zu Minute nur noch. Und Zeremonienmeister Kallen singt die Botschaft nicht, nein er zelebiert sie. Was für ein Einstieg in die Welt des Blues für diese Band. Und weil nach nicht mal einer halben Stunde der Spuk auch schon wieder um ist, sei hiermit zugerufen: Bitte unbedingt mehr davon! Bis dahin: Dauerrotation!

(lei)




blues news

Coolibri Ausgabe Oktober 2006:

Musikperlen am Rande

Beim abendlichen Rundgang durch Düsseldorfer Kneipen und Lokale lohnt es sich immer, die Ohren zu spitzen. Nicht selten trifft man unerwartet auf Bands, die in intimer Atmosphäre mit Musik jenseits des Mainstreams begeistern.

Die hohe Kunst der leisen Töne –
The Bare Essentials

Der Bandname ist Programm. „Es geht eigentlich um das Wesentliche“, erklärt Gitarrist Dirk Mainz, der seit Oktober 2005 mit seinen alten Weggefährten Olaf Buttler (Bass), Jürgen Scholz (Schlagzeug) und mit „Café à Gogo“-Wirt Peter Kallen am Mikrofon gemeinsame musikalische Wege geht. Das Quartett beruft sich auf amerikanische Traditionen, die älter sind als Rock’n’Roll. Auf den Blues, jenes eher „hemdsärmelige“ Genre, das es in der trendbewussten Modestadt immer schwer hatte. Gerne erinnert sich Kallen an die erste Jam-Session mit seinen Bandkollegen und den ersten gemeinsamen Song „Got Messed Up“ von R.L. Burnside – noch heute Bestandteil ihres Live-Repertoires. Totale Reduktion: Die Stimme bleibt im Vordergrund, während das Trio sein instrumentelles Können voll in den Dienst der Band stellt. Die ruhige Komponente überwiegt bei den Bare Essentials. Man spürt die Gelassenheit des Alters jenseits der 35. Den Mut, den Finger in den Schmalztopf der Gefühle zu tunken. „Die Hälfte der Sachen, die wir machen, sind eigene Stücke“, erklärt Mainz, der auch Songwriter ist. Und es sollen noch mehr werden. Wenn ein Liebeslied aus der Sicht einer gebrochenen Persönlichkeit mit der ironischen Distanz eines Tom Waits ertönt, macht Kallens hingebungsvolle Performance die Traurigkeit in Mainz’ Worten spürbar und erzieht das Publikum zum Zuhören. „Wenn man die Leute mit den leisen Songs kriegt, dann sind die lauten nur noch eine gut gemeinte Zugabe“, weiß der Mann mit der markanten Reibeisenstimme.

Michael Wenzel




coolibri

Jülicher Zeitung am Mittwoch, den 30.11.2005:

Feine Mischung Roots-Rock

Jazzclub Jülich trifft mit dem erdigen Ton von "The Bare Essentials" den Nerv des Publikums. Feine Arrangements zeigen Blues in modernem Kleid.

Jülich. Manchmal ist es so simpel, gute Musik zu machen. Die Düsseldorfer Musiker "The Bare Essentials" haben den Bogen raus mit ihrem Verständnis vom Roots-Rock, einer feinen Mischung aus Blues, Country, Funk und Rock, ihr Publikum anzusprechen. Der neu formierten Band gelang im Jülicher KuBa ein Auftakt nach Mass mit erdigem und rauem Blues, der so richtig zum stürmischen Winterwetter passte. Gut die Hälfte der Stücke stammt aus der Feder des Gitarristen Dirk Mainz mit Unterstützung des Sängers Peter Kallen, der wie Bassist Olaf Buttler und Drummer Jürgen "Doc" Scholz viel "Herzblut" in ihr neues Projekt gesteckt hat. "Wir versuchen immer mehr Eigenkomposotionen einzubringen und alte Stücke zu spielen, ohne auf alten Bahnen zu fahren", sagte Dirk Mainz am Rande des Konzerts. Neben Eigenkompositionen fügen sich Klassiker des Blues wie "Come On In My Kitchen" vom grossen Robert Johnson oder der Mississippi-Blues "Got Messed Up" eines R. L. Burnside nahtlos in das Programm ein.
Eine schillernde Persönlichkeit ist Sänger Peter Kallen, musikalisches Urgestein der Landeshauptstadt. Er gibt alles auf der Bühne mit einer Performance, die es in sich hatte. Wie bei Albert Kings berühmten 14-Takter "I'll Play the Blues For You" legt er viel Seele in seine Lieder und zeigt, dass nicht nur "schwarze" Künstler den Blues haben. Die Band spielt die alten Klassiker nicht einfach nach, vielmehr überraschen sie mit pfiffigen Arrangements: mal rockig, mal funkig, mal mit Hendrix-Riffs durchsetzt finden so gleich mehrere Formen in ihrer zeitgenössischen Musik Platz.
Den Weg zurück zu den musikalischen Wurzeln hat die Band eindrucksvoll gefunden, mit klarer und geradliniger Musik, die zeigt, dass der Blues im modernen Kleid auch heute noch seinen festen Platz hat. Auf Einladung des Jazzclub Jülich gastierte die Band in der Herzogstadt, der damit für seine November-Veranstaltung ein gutes Händchen bewies. Kr

Presse KuBa